Abteilung für Orthopädische Chirurgie am St. Josefshospital Krefeld Uerdingen

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 Kreuzbandriss? - Kreuzbandplastik mit autologen Transplantaten (Kreuzband OP)


Entwicklung und Bedeutung der Kreuzbandplastik

Die vordere Kreuzbandruptur gehört zu den häufigsten Bandverletzungen beim Menschen. Entsprechend amerikanischen Studien und Angaben aus der sportmedizinischen Industrie ist pro Jahr pro 1000 Einwohner eine Kreuzbandruptur zu erwarten. Das vordere Kreuzband kann heutzutage jedoch problemlos ersetzt werden. Gemäß neuerer Literatur kann in spezialisierten Einrichtungen mit einer 90%igen Erfolgsrate gerechnet werden. In unserer Abteilung für Orthopädische Chirurgie werden seit 1990 Rekonstruktionen des vorderen Kreuzbandes durchgeführt.

Die 80-er Jahre waren geprägt von der Einführung verschiedener synthetischer Materialien zum Ersatz der Kreuzbänder. In einem kritischen Rückblick muss festgestellt werden, dass die innovativen Materialien zum Ersatz des vorderen Kreuzbandes nicht die hohen Erwartungen erfüllen konnten. Die Kunststoffbänder haben in der heutigen Praxis keine Bedeutung mehr. Die Kunststofftransplantate wurden dann von autologen (d.h. "patienteneigenen") Sehnentransplantaten abgelöst. Bei den autologen Transplantaten kommen das mittlere Drittel der Kniescheibensehne (Patellarsehne) sowie die "Pes anserinus"-Sehnen (Semitendinosus- und Gracilissehne) zur Verwendung.


Vorderes Kreuzband

Das vordere Kreuzband zählt zusammen mit dem hinteren Kreuzband, dem Innen- und Außenband und den Menisken zu den Stabilisatoren des Kniegelenkes und ist selbst der wichtigste Stabilisator. Das vordere Kreuzband ist ein ca. 2 cm langes und etwa kleinfingerdickes Faserbündel, das im Kniegelenk vom Schienbeinkopf zum Oberschenkel zieht. Nach einem Kreuzbandriss kommt es zur Ausbildung einer chronischen Instabilität im Kniegelenk. Die Gelenkfunktion ändert sich und die übrigen Stabilisatoren des Gelenkes werden zusätzlich belastet. Durch den Verlust des vorderen Kreuzbandes kommt es insbesondere bei unbewussten, muskulär nicht kontrollierten Bewegungen zum typischen Wegknicken mit Herausrutschen des Unterschenkels. Wiederholtes Wegknicken führt im Laufe der Zeit zur Auslockerung des Kapsel-Band-Apparates und damit zu einer komplexen Knieinstabilität. Zusätzlich können Meniskusrisse und Knorpelschäden an den Oberschenkelrollen entstehen. Um die Folgeschäden zu vermeiden, sollte eine vordere Kreuzbandplastik durchgeführt werden.


Bänder im Knie - Anatomie Kniegelenk
Abb.: Schematische Übersicht über den Bandapparat im Kniegelenk


Wie reißt das Kreuzband?

Bei Beuge-/Drehbewegungen wie z.B. beim Fußballspielen oder bei Skiunfällen, insbesondere bei geringem Tempo oder gar Stillstand, kommt es zu einem ungünstigen Hebelmechanismus, der von der Muskulatur nicht mehr gehalten werden kann, so dass das vordere Kreuzband reißt. Beim Riss des vorderen Kreuzbandes handelt es sich um eine schwere, das gesamte Kniegelenk betreffende Verletzung, die meist mit starken Schmerzen einhergeht. Nach einigen Stunden kommt es zu einer Schwellung des Gelenkes mit einem sich ausbildenden Gelenkerguss. Beim Punktieren des Gelenkergusses wird in den meisten Fällen Blut gewonnen. Die Diagnose einer Kreuzbandruptur kann normalerweise anhand der Anamnese und einer eingehenden klinischen Untersuchung gestellt werden. Gesichert wird die Diagnose durch eine Kernspintomographie und eine arthroskopische Untersuchung.


Wer sollte bei einem Kreuzbandriss operiert werden?

Patienten mit einer Instabilität des Kniegelenkes sollten operiert werden, da durch den Ausfall des Kreuzbandes, des wichtigsten Stabilisators des Gelenkes, die übrigen Kniegelenkstabilisatoren überfordert und auf Dauer geschädigt werden. Bei einem instabilen Kniegelenk ist mit Meniskus- und Knorpelschäden in einem hohen Prozentsatz zu rechnen. Eine muskuläre Stabilisierung der vorderen Kreuzbandinsuffizienz ist kaum möglich. Zurückhaltend zur Kreuzbandplastik sollte die Indikation bei Patienten über 60 Jahren gestellt werden. Darüberhinaus sollten Patienten mit einer schweren Arthrose im Kniegelenk nicht mit einem Kreuzbandtransplantat versorgt werden.


Alter Kreuzbandriss - Ruptur vorderes Kreuzband - Kreuzbandruptur Kreuzbandplastik - rekonstruiertes vorderes Kreuzband nach Fertigstellung
Abb.: Alte Ruptur des vorderen Kreuzbandes und Zustand nach Fertigstellung des Kreuzbandtransplantats



Operativer Kreuzbandersatz - eigene Technik

Während bis vor einigen Jahren große Schnitte am Kniegelenk gemacht werden mussten, um eine Kreuzbandplastik durchzuführen, genügt jetzt neben den zwei Einstichen zur Arthroskopie ein ca. 3 cm großer Schnitt am Schienbeinkopf. Zum Kreuzbandersatz werden die beiden Pes anserinus-Sehnen (Gracilis und Semitendinosus) verwendet. Von dem kleinen Hautschnitt am Schienbeinkopf werden die Sehnen mit einem Sehnenstripper entnommen. Man gewinnt mit der Semitendinosus- und Gracilissehne zwei Sehnen von einer Länge von ca. 26 bis 28 cm. Die beiden Sehnen werden unter einer Vorspannung miteinander vernäht, um dann als gedoppelte Schlinge als Kreuzbandersatz in das Kniegelenk eingezogen zu werden. Nach der Entnahme der Sehnen werden arthroskopisch die Stümpfe des rupturierten Kreuzbandes entfernt und mit Hilfe eines tibialen Zielgerätes ein Draht in den Schienbeinkopf eingebracht, der zentral im Stumpf des gerissenen Kreuzbandes tibial in das Gelenk eintritt. Der Draht wird anschließend mit einem Hohlbohrer überbohrt. Der Durchmesser des Bohrkanals richtet sich nach dem Durchmesser des gedoppelten Sehnentransplantates, zwischen 7 und 9 mm liegend. Durch den tibialen Bohrkanal wird ein Zielgerät für den Femur eingebracht. Mit Hilfe des femoralen Zielgerätes wird jetzt der femorale Bohrkanal hergestellt. Meist ist auch hier die korrekte Position des femoralen Kreuzbandansatzes durch einen noch erhaltenen kleinen Bandstumpf gegeben. Mit Hilfe des Zielgerätes wird jetzt ein Draht in den Femur eingebracht. Dieser Draht wird überbohrt. Länge des femoralen Bohrkanals 35 mm. In den tibialen und femoralen Bohrkanal wird jetzt das gedoppelte Sehnentransplantat eingezogen. Femoral wird das Transplantat mit einer transversal eingebrachten Hohlschraube fixiert (Transfix-Schraube). Das aus dem tibialen Kanal herausreichende Ende des Transplantates wird nun kräftig angespannt und mit einer resorbierbaren Interferenzschraube (Deltaschraube) durch Verklemmung befestigt. Durch diese Interferenzschraube wird die Stabilität des Transplantates erhöht und eine Migration im Bohrkanal verhindert.


Diashow "Ablauf einer Kreuzbandplastik"

Nach so vielem Fachchinesisch wollen wir Ihnen jetzt zum Abschluss eine Diashow zeigen, um Ihnen den Ablauf einer Kreuzbandplastik etwas näher und verständlicher zu beschreiben. Die Technik ist und bleibt aber sehr speziell und für Laien kompliziert. Trotzdem haben wir uns in der Diapräsentation um möglichst einfache Worte bemüht. Es wird eine Kreuzband-OP gezeigt, so wie wir sie 2005 standardmäßig durchgeführt haben. Der medizinische Fortschritt schreitet rasant voran und auch wir entwickeln uns stets mit der Zeit. Unsere heutige Operationstechnik weicht mitunter von den dargestellten Techniken schon wieder etwas ab. Sollten Sie das auf dem heimischen Küchentisch nachmachen wollen, können Sie ja vorher nochmal nach den Neuerungen fragen. Viel Spaß.


Kreuzbandplastik - autologes Sehnentransplantat Hier zur Diashow


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