Coxarthrose - Künstliches Hüftgelenk (Hüft-TEP)
Das künstliche Hüftgelenk - eine traditionsreiche Spezialität unserer Abteilung
Die Implantation eines künstlichen
Hüftgelenkes gehört mittlerweile zu den in Deutschland am häufigsten durchgeführten Operationen.
Am St. Josefshospital in Krefeld Uerdingen werden seit 1969
Hüftgelenktotalendoprothesen implantiert. Die ersten
Hüftgelenktotalendoprothesen wurden von dem aus der Universität Erlangen nach
Uerdingen gekommenen Chirurgen Dr. Wagner implantiert, der somit einer der ersten
Chirurgen am Niederrhein war, der derartige Operationen in Routine einsetzte.
Diese Arbeit wurde von Dr. Neubert fortgeführt. Seither wurden einige tausend
künstliche Hüftgelenke am St. Josefshospital implantiert. Unser heutiger Chefarzt Dr.
Mann kommt ebenfalls aus einer Klinik mit sehr großer endoprothetischer
Tradition. Dort wurden jährlich etwa 650 Knie- und Hüftprothesen eingesetzt. Zur Zeit sind es
in Uerdingen ca. 150 Hüftprothesen pro Jahr.
Definition des Hüftgelenkverschleißes (Coxarthrose)
Die Coxarthrose ist eine häufige Erkrankung des Erwachsenen. Man versteht hierunter alle degenerativen
Erkrankungen des Hüftgelenkes, die zu einer fortschreitenden Zerstörung des
Gelenkknorpels unter Mitbeteiligung der Gelenkstrukturen wie Knochen, synoviale
und fibröse Kapsel sowie periarticulärer Muskulatur führen. Im Laufe des Lebens
machen alle Strukturen des Körpers einen natürlichen Alterungsprozess durch. Treten
übermäßige Abnutzungserscheinungen auf oder tritt ein frühzeitiger Verschleiß
auf, so gilt dies als krankhafte Veränderung, die in aller Regel einer
Behandlung bedarf. Durch eine erhöhte Lebenserwartung nimmt die Zahl der
Patienten mit einem Hüftleiden stetig zu. Wir unterscheiden bei den Hüftleiden eine
primäre und eine sekundäre Form der Arthrose. Die primären Arthrosen treten
gewöhnlich nach dem 50. bis 60. Lebensjahr überwiegend beidseitig auf. Ihre
Ursache ist unbekannt. Sekundäre Arthrosen treten z.B. aufgrund fehlerhafter
Belastungen auf. Bestimmte Faktoren haben dazu geführt, dass es zu einer
vorzeitigen Abnutzung kommt. Hierzu zählen neben fehlerhaften Belastungen des
Gelenkes aber auch Hüfterkrankungen im Kindesalter, Hüftluxationsleiden, entzündliche
Prozesse sowie Stoffwechselerkrankungen.
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| Abb.: Schwere Coxarthrose beidseitig bei hoher Hüftluxation. Hier müssen Hüftprothesen implantiert werden. |
Klinische Zeichen
Bewegungen
in der Hüfte sowie das Auftreten auf das Bein sind schmerzhaft. Es besteht ein
so genannter morgendlicher Einlaufschmerz, das Gangbild besteht aus
Schonhinken. Schmerzen aus dem Hüftgelenk können bis in das Kniegelenk
ausstrahlen. Neben belastungsabhängigen Schmerzen kommt es auch häufiger zu
Ruheschmerzen. Schmerzarme und schmerzreiche Phasen wechseln im Laufe der
Erkrankung.
Diagnose
Entscheidend ist die Untersuchung
des Patienten. Es wird ein Druckschmerz an der Seite des Hüftgelenkes
angegeben. Die Bewegungen im Hüftgelenk sind stark schmerzhaft eingeschränkt,
besonders stark das Abspreizen des Beines sowie die Drehbewegungen. Die
Diagnose wird im Röntgenbild gestellt. Bei einer Arthrose kommt es
zur Verschmälerung bis hin zum vollständigen Verschwinden des
Gelenkspaltes. Es bilden sich knöcherne Anbauten an Pfanne und Kopf.
Die Oberfläche des Hüftkopfes ist uneben. Unter dem Knorpelüberzug
verdichtet sich der Knochen als eine Reaktion auf den Knorpelabrieb. Bei
schwerer Arthrose kann der Hüftkopf nahezu gänzlich zerstört sein.
Der operative Gelenkersatz - welche Endoprothesenmodelle stehen zur Verfügung?
Eine unüberschaubare Zahl von Endoprothesenmodellen steht inzwischen für den totalen
Hüftgelenkersatz zur Verfügung. Zementierte Prothesen und solche, die zementfrei verankert
werden. Als Kriterien zur Implantation einer zementfreien Hüftgelenktotalendoprothese
gelten ein entsprechendes biologisches Lebensalter sowie ein gesundes und
vitales Implantatlager. Der Patient muss außerdem bereit sein,
die Hüfte für einen Zeitraum von 6 Wochen zu entlasten. Die prospektive
Lebenserwartung sollte mehr als 10 Jahre betragen. Bei der zementfreien
Verankerung wird die Prothese genau in den Oberschenkel eingepasst. Je
länger die Prothese im Knochen verbleibt, umso stärker verwächst
der Knochen mit der Prothese. Die zementfreie Prothese wird aus Titan gefertigt. Von
uns verwendet werden anatomisch geformte Prothesen, deren Formgebung dem
Knochenverlauf angeglichen ist. Die Prothese hält durch eine massive
Verklemmung im Schaft sowie durch eine Oberflächenbeschichtung aus Hydroxylapatit,
in die der Knochen einwächst. Der Vorteil dieser Prothese liegt in
der längeren Haltbarkeit und dem Ausbleiben von Allergien
auf den Knochenzement. Es besteht gleichzeitig die Möglichkeit eines
besseren Prothesenausbaus im Falle einer Lockerung. Bei den zementfreien
Prothesen verwenden wir überwiegend das Prothesenmodell ABG II der Firma
Stryker, das sich durch eine besonders knochensparende Implantation
auszeichnet. Die Gelenkpfannen werden nahezu alle zementfrei implantiert.
Verwendet wird das Pfannenmodell Trident der Firma Stryker. Hier können in die
Schale aus Titan Inlays, bestehend aus verschiedenen Materialien wie z.B.
hochvernetztes Polyethylen, Keramik oder Metall, eingesetzt werden. Die
Trident Pfanne verfügt über eine große Primärstabilität und kann
zusätzlich noch durch Schrauben gesichert werden.
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Abb.: Röntgenbild einer
implantierten, zementfreien Hüftprothese (ABG II-Schaft und
Trident-Pfanne der Firma Stryker). Die einzelnen Komponenten sind zum
besseren Verständnis beschriftet. |

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Abb.: Der zementfreie
ABG II Schaft der Firma Stryker mit Beschichtung aus Hydroxylapatit,
aufgesetztem Kopf und Pfanne mit Inlay und Schrauben.
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Abb.: Hüftkopf aus
Aluminiumoxyd-Keramik (Firma Stryker), der in der Regel mit einem
hochvernetzten Crossfire-Polyethylen-Inlay kombiniert wird. |
Zementierte Endoprothesen werden in der Regel bei älteren Patienten eingesetzt. Die Prothese wird mit
Hilfe von Knochenzement ("Palacos") im Oberschenkelknochen verankert. Bei
dem Knochenzement handelt es sich um einen Zweikomponentenkleber. Die Prothese
besteht aus Chrom-Kobalt-Molybdän, einem sehr harten Stahl. Vorteile
der zementierten Prothesen sind eine sehr kurze Rehabilitationszeit mit
der Möglichkeit einer sehr frühen Belastung. Als Nachteil ist
die Gefahr einer eventuelle Prothesenlockerung anzusehen. Bei den zementierten
Prothesen verwenden wir die zementierte Version des Stryker AGB II Schaftes.
Der anatomisch geformte Schaft sichert über
die Schaftgeometrie eine schonende Krafteinleitung. Eine fortschrittliche
Zementiertechnik sorgt für eine Langzeitverankerung der Prothese. Die
Gelenkpfannen werden auch im Falle einer zementierten Prothese zementfrei
implantiert. Man spricht von einem Hybridsystem bei
einer Kombination von zementiertem Schaft und unzementierter Pfanne.
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Abb.: Die zementierbare Version des ABG II Schaftes der Firma Stryker
als Hybrid mit einem so genannten Centralizer, der einen gleichmäßigen Zementmantel um den Schaft sicherstellt. |
Mit den von uns verwendeten
Prothesensystemen verfügen wir über eine
10-jährige Erfahrung. Als Vorteil dieses Systems sehen wir neben der
anatomischen Form die Möglichkeit, mit einem einzigen Instrumentarium den Knochen
für beide Prothesenmodelle vorzubereiten. Es kann intraoperativ, von der
Festigkeit und der Vitalität des Knochens abhängig, über das Prothesensystem
entschieden werden. Die Implantation der Hüftprothese erfolgt bei uns
in einer so genannten minimal-invasiven Technik, bei der sowohl die hüftumgebende
Muskulatur geschont als auch knochensparend operiert wird. Dabei ist selten ein
Zugang von mehr als 6-8 cm Länge erforderlich.
Mögliche Folgen und Komplikationen
Bei der Implantation eines
Hüftgelenkes muss mit allgemeinen Risiken und Komplikationen
gerechnet werden, wie sie bei jeder Operation auftreten können. Hierzu
sind zu zählen: Blutergüsse, Wundheilungsstörungen, Wundinfektionen,
tiefe Beinvenenthrombosen, Embolien, Verletzungen eines Gefäßes
oder Nervenverletzungen. Als spezielle Komplikationen können Brüche
des Oberschenkelschaftes auftreten, Prothesenlockerungen, Verkalkungen um das operierte
Hüftgelenk sowie Prothesenluxationen (Herausspringen des Hüftgelenkes). Eine
weitere spezielle Folge der Hüftgelenkimplantation ist selten auch eine geringe
Beinlängendifferenz, die aber meist durch entsprechendes Schuhwerk ausgeglichen
werden kann.
Nachbehandlung nach operativen Maßnahmen
Nach der Operation wird eine
Röntgenkontrolle des Hüftgelenkes durchgeführt. Es erfolgen
spezielle Lagerungsmaßnahmen sowie eine Thromboseprophylaxe. In Abhängigkeit
von Laborkontrollen wird dem Patienten das präoperativ gespendete
Eigenblut transfundiert bzw. das während der Operation aufgefangene
und in einem Cellsaver gewaschene Blut rücktransfundiert. Am zweiten
postoperativen Tag werden die ersten Gehversuche unter Anleitung eines
Krankengymnasten absolviert. Die Physiotherapie erfolgt nach einem
festgelegten Plan unter Anleitung eines Physiotherapeuten und unter ständiger
Kontrolle durch eine Ärztin für Rehabilitationswesen. Diese ärztliche
Überwachung wird durch Frau Dr. Werland-Budiman durchgeführt.
Nach primärer Wundheilung und Mobilisation schließt sich in
der Regel eine stationäre Rehabilitation in einer dafür spezialisierten
und mit uns kooperierenden Klinik an. Überwiegend handelt es sich
hierbei um die
Klinik Am Rosengarten in Bad Oeynhausen sowie die
Parkklinik
in Bad Rothenfelde. Selbstverständlich können auch Reha-Kliniken
nach den Wünschen des Patienten ausgewählt werden. In einigen Fällen wird die
Auswahl der Rehabilitationsklinik durch den Kostenträger bestimmt.
Jüngere Patienten bevorzugen
in vielen Fällen eine ambulante Rehabilitation, die in Krefeld und Umgebung in
drei mit uns kooperierenden Reha-Zentren durchgeführt wird. Es handelt
sich hierbei um das
Reha-Zentrum Eschler in Moers, das
Reha-Zentrum
Jos Beulen in Krefeld, sowie das
Reha-Zentrum Hoever in Krefeld.
Nach drei Monaten führen
wir eine ambulante Kontrolluntersuchung durch. Hierbei kontrollieren wir
sowohl das Operationsergebnis als auch das Ergebnis der postoperativen
ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen. Nach einer gelungenen Operation
und einer guten Rehabilitation wird vom Patienten häufig die Frage
gestellt: Kann ich wieder Sport treiben? Als geeignete Sportarten sind
das Schwimmen, das Fahrradfahren, das Wandern und die Gymnastik anzusehen.
Bedingt geeignet sind Skilanglauf, Dauerlauf und Golf bei guter Technik.
Abzuraten ist von Ballsportarten, Sprungdisziplinen und alpinem Skilauf.
Es sollte jedoch stets bedacht werden, dass eine Reduzierung der sportlichen
Aktivitäten zu einem besseren Langzeitergebnis führt.
Warum sollte ich mich im St. Josefshospital bei einer Coxarthrose operieren lassen?
Im St. Josefshospital werden seit 1969 Hüftgelenktotalendoprothesen implantiert.
Am linken Niederrhein gibt es wenige andere Kliniken, die auf eine längere Erfahrung zurückblicken
können. Die Operationen werden nach dem aktuellen Stand der modernen Hüftendoprothetik
durchgeführt. Bei 150 Operationen im Jahr besitzen die Ärzte die erforderliche
Routine. Neben der fachlichen Kompetenz wird von den Patienten besonders die
gute menschliche Atmosphäre gelobt.