Abteilung für Orthopädische Chirurgie am St. Josefshospital Krefeld Uerdingen

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 Fußchirurgie - Operationen am Fuß


Wie entstehen Fehlstellungen am Fuß? Welche Fehlstellungen gibt es?

Fehlstellungen der Zehen mit belastungsabhängigen Schmerzen nehmen erheblich zu. Bedingt durch schlechtes oder falsches Schuhwerk oder angeboren, verformt sich mit zunehmendem Alter der Fuß zu einem Spreizfuß. Folge hiervon ist die Ausbildung des so genannten Hallux valgus sowie der Hammerzehen mit Belastungsspitzen an nicht dafür vorgesehenen Stellen.


Hallux valgus - Ballenzeh
Abb.: Ausgeprägter Hallux valgus ("Ballenfuß")


Die bekannteste Fehlstellung ist der Hallux valgus. Er geht meist mit einer schmerzhaften Entzündung des Schleimbeutels einher. Man unterscheidet einen angeborenen Spreizfuß (Metatarsus primus varus) von einem erworbenen Spreizfuß. Bei beiden entwickelt sich ein Hallux valgus, allerdings in unterschiedlicher Form. Während sich bei der erworbenen Form der Hallux valgus durch eine altersbedingte Dehnung des Bandapparates im Vorfußbereich ausbildet, liegt bei der angeborenen Form eine Fehlstellung am Übergang zwischen Fußwurzel und Mittelfuß vor. Das so genannte Tarsometatarsalgelenk (TMT) weist einen größeren Winkel auf als der „normale“ Fuß. Darüber hinaus ist die Gelenkfläche des Großzehengrundgelenkes meist nach außen gewandt (Gelenkflächenwinkel).


Röntgenbild Vorderfuß mit Hallux valgus - Winkelverhältnisse metatarsus primus varus
Abb.: Winkelverhältnisse am Fuß, die einen Einfluss auf die OP-Technik haben.


Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Diese Erkenntnisse haben einen entscheidenden Einfluss auf die Operationsmethode, dahingehend, dass man dort korrigiert, wo die Fehlstellung entstanden ist. Bei der erworbenen Form gelangen in erster Linie Verschiebeosteotomien des 1. Mittelfußköpfchens (Chevron, Hohmann, Stoffella-Spange) oder Schwenkosteotomien des ersten Mittelfußknochens (Ludloff, Scarf) zur Anwendung. Hinweisend ist hier der erste Intermetatarsalwinkel, der 15° nicht überschreiten sollte.

Sollten zusätzlich Hammerzehen vorliegen, kann durch eine Kürzung der Mittelfußknochen das Fußgewölbe wiederhergestellt und die Kleinzehenfehlstellung behoben werden. Auch hier stehen verschiedene Operationsmethoden (Helal, Weil) zur Auswahl. Bei der „Helal“-Osteotomie werden die Mittelfußknochen schräg von hinten durchtrennt. Unter leichter Belastung mit einer Mittelfußpelotte schieben diese sich so zusammen, wie der Bandapparat des Fußes es vorgibt. Da hier keine Verschraubung der Knochenenden stattfindet, kann es etwas länger dauern, bis die Knochen zusammen gewachsen sind. Bei der „Weil“–Osteotomie wird das Grundgelenk eröffnet, der Mittelfußknochen von vorn schräg durchtrennt, das gesamte Gelenk nach hinten verschoben und mit einem kleinen Schräubchen fixiert. Nachteil dieser Operationsmethode ist die Eröffnung der Gelenkkapsel, die häufig mit Einsteifungen des Gelenkes einhergeht und somit den Operationserfolg zunichte macht.


Chevron und Helal Osteotomie
Abb.: Röntgenbild nach Chevron und Helal Osteotomie




Bei der angeborenen Form des Hallux valgus (Metatarsus primus varus), die meist mit einem Intermetatarsalwinkel von über 15° einhergeht, ist die Therapie erheblich schwieriger. In Abhängigkeit von der Länge des ersten Mittelfußknochens im Verhältnis zu den benachbarten, des Alters des Patienten sowie der Stabilität des ersten TMT Gelenkes kommen verschiedene Korrekturosteotomien zur Anwendung.

Der 1. Mittelfußknochen wird an der Basis keilförmig angesägt und nach außen geklappt. Diese Korrektur wird dann mit Schrauben oder Platten stabil gehalten, bis der Knochen wieder verwachsen ist. In diesem Fall ist allerdings die Ruhigstellung in einem Unterschenkelgehgips für etwa 6-8 Wochen erforderlich. Da die Gelenkfläche am Großzehengrundgelenk häufig nach außen verkippt ist, muss einen weitere Korrektur der Großzehe, entweder im Bereich des Köpfchens (Hohmann) oder des Grundgliedes (Akin) erfolgen, um ein Rezidiv zu verhindern.


Metatarsus primus varus Zustand nach open wedge Osteotomie
Abb.: Metatarsus primus varus Abb.: Zustand nach "open wedge"-Osteotomie


In sehr schweren Fällen eines Hallux valgus ist eine Korrektur der Großzehe nur über eine Versteifung an der Basis des Mittelfußknochens zu erzielen. Auf die Belastung, insbesondere das Gehen hat dieser Eingriff keinen Einfluss.


Versteifung an der Basis des Mittelfußknochens nach Hallux valgus
Abb.: Versteifung an der Basis des Mittelfußknochens nach schwerer Form eines Hallux valgus


Verschleiß des Großzehengelenks ("Hallux rigidus")

Bei einem Verschleiß des Großzehengrundgelenkes ("Hallux rigidus") mit erheblich schmerzhafter Bewegungseinschränkung besteht die Möglichkeit ein Kunstgelenk zu implantieren. Damit kann die ursprüngliche, schmerzfreie Beweglichkeit wiederhergestellt werden. Das Gelenk ist anschließend auch wieder sporttauglich! Das Tragen spezieller Schuhe oder Sohlen ist nicht erforderlich! Dieses Kunstgelenk besteht aus „Silastik“, einem speziellen hochflexiblen Kunststoff. Dieses Modell wird seit mehr als 30 Jahren in der Rheumachirurgie mit großem Erfolg eingesetzt.


Swanson Spacer - Großzehenprothese (nach Hallux rigidus) Röntgenbild nach Einsetzen v. Swanson-Spacer (Hallux rigidus)
Abb.: Swanson-Spacer im Größenvergleich mit einer Münze Abb.: Implantierter Swanson-Spacer im Röntgenbild


Als Alternativen stehen die Versteifung ("Arthrodese") des Großzehengrundgelenkes oder die Resektionsarthroplastik ("Keller Brandes OP") zur Verfügung. Beide Operationsmethoden weisen allerdings große Nachteile auf. Nach der Versteifung wird der Abrollvorgang beim Gehen über das Großzehenendgelenk abgewickelt, das für diese Belastung nicht ausgelegt ist. Eventuell muss auch eine spezielle Schuhzurichtung (Abrollsohle) getragen werden. Bei der Keller Brandes OP führt die Verkürzung der Großzehe zur Ausbildung von Hammerzehen.


Rheumatische Erkrankungen

Bei einer rheumatischen Erkrankung werden häufig die Zehengelenke völlig zerstört, so dass ein Erhalt nicht mehr möglich ist. In diesem Fall ist es gut möglich, die Zehengelenke zu entfernen, um ein schmerzfreies Auftreten zu ermöglichen. Auch diese Verfahren sind in der Rheumachirurgie seit Jahrzehnten etabliert.


Rheuma im Fuß und ausgeprägter Hallux valgus Röntgenbefund - erkennbare Luxation der Grundgelenke im rheumatischen Fuß
Abb.: Schweres Rheuma in den Zehengelenken und ausgeprägter Hallux valgus
Abb.: Röntgenbefund zu nebenstehendem Fuß mit erkennbarer Luxation der Grundgelenke und den bei Rheuma typischen schwersten Gelenkveränderungen
   
Resektion der Zehengelenke und Versteifung Fußchirurgie - Rheuma - Wundverhältnisse nach operativer Korrektur
Abb.: Zustand nach Resektion der Zehengelenke und Versteifung im Mittelfuß/Fußwurzelbereich Abb.: Wundverhältnisse nach operativer Korrektur durch Resektion der Zehengelenke


Riesenwuchs

Bei Jugendlichen können angeborene Fehlstellungen korrigiert werden. Sollte eine Zehe schneller wachsen als die anderen, spricht man von einem Riesenwuchs. In diesem Fall kann man die Wachstumsfugen vorübergehen blockieren.


Riesenwuchs erster Strahl Blockierung der Wachstumsfugen
Abb.: Riesenwuchs erster Strahl Abb.: Vorübergehende Blockierung der Wachstumsfugen



Bei allen Eingriffen am Fuß muss man mit einer Rekonvaleszenzzeit von 3 - 6 Monaten rechnen. Sollten Sie Fragen rund um das Thema Fuß haben, steht Ihnen das Team der Abteilung für Orthopädische Chirurgie gerne zur Verfügung.


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