Arthrose im Kniegelenk (Gonarthrose)
Was ist Gonarthrose? - Entstehung und Ursachen
Unter einer Arthrose des Kniegelenkes, in der Fachsprache auch Gonarthrose genannt,
versteht man alle Verschleißerscheinungen am Kniegelenk, die zu
einer fortschreitenden Zerstörung des Gelenkknorpels unter Mitbeteiligung
der Gelenkstrukturen führen. Neben den Knorpelflächen können
der gelenkbildende Knochen, die Gelenkkapsel sowie die Muskulatur beteiligt
sein. Bei der Arthrose handelt es sich um Verschleißerscheinungen,
ausgelöst durch ein Missverhältnis von Gelenkbelastung und
tatsächlicher Belastbarkeit. Limitierend ist hier der Gelenkknorpel,
der als Gleitschicht die knöchernen Gelenkflächen überzieht
und im wahrsten Sinne aufgerieben wird. Es handelt sich in erster Linie
um eine völlig normale Begleiterscheinung des Alters. Die Veränderungen
im Kniegelenk sind ebenso wenig krankhaft wie das Altern der Haut. Neben
diesen, durch allgemeine Alterungsprozesse bedingten Arthrosen gibt es solche
Arthrosen, die auf fehlerhafte Belastungen des Kniegelenkes zurückzuführen
sind, wie zum Beispiel X- oder O-Beine, Übergewicht, schlecht verheilte
Knochenbrüche. Arthrosen können darüber hinaus ihre Ursache in Verletzungen
des Kniegelenkes haben, in Rissbildungen der Menisken, in Rupturen des vorderen und
hinteren Kreuzbandes sowie in unfallbedingten Knorpelbrüchen. Außerdem
können Stoffwechselstörungen wie z.B. Zucker, Gicht sowie
rheumatische Erkrankungen zu einer Kniegelenkarthrose führen.
| Abb.: Bei der Arthrose handelt sich in erster Linie
um eine völlig normale Begleiterscheinung des Alters. Die Veränderungen im Kniegelenk
sind ebenso wenig krankhaft wie das Altern der Haut. |
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| Bild einer 30jährigen Frau |
Bild einer 90jährigen Frau |
Welche sind die Symptome einer Arthrose
Eine Arthrose zeigt sich durch einen so genannten Anlaufschmerz, einen Belastungsschmerz.
Es finden sich Einschränkungen der Beweglichkeit, Steifigkeit des
Gelenkes und Wetterfühligkeit. Die Bewegungseinschränkungen führen
zu Fehlhaltungen, Muskelverkürzungen und Verschmächtigungen hin
bis zu Versteifungen des Gelenkes. Durch Ergussbildungen ("Wasser im Knie") kommt es zu
Schwellungen und einem Spannungsgefühl im Kniegelenk.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Die
Behandlung der Kniegelenkarthrose steht in Abhängigkeit von den Ursachen,
in Abhängigkeit vom Alter sowie vom Schweregrad der Arthrose und muss von
Fall zu Fall entschieden werden. Es stehen unterschiedliche Behandlungsmethoden
zur Verfügung. Leichtere Formen der Arthrose werden konservativ behandelt.
Die entzündlichen Reizzustände
des Kniegelenkes werden mit entzündungshemmenden Medikamenten therapiert.
Ein Kniegelenkerguss wird eventuell abpunktiert, in das Gelenk können
entzündungshemmende Medikamente injiziert werden. Neben der medikamentösen
Behandlung sind physikalische Therapien möglich.
| 1.) |
Physiotherapie |
| 2.) |
Mobilisierung |
| 3.) |
Muskelkräftigung |
| 4.) |
Muskeldehnung und Koordinationsschulung |
| 5.) |
Thermotherapie |
| 6.) |
Hydro-Balneotherapie |
| 7.) |
Elektrotherapie |
| 8.) |
Hyaluronsäure |
| 9.) |
Orthokin-Therapie |
Darüber hinaus kommen orthopädietechnische Maßnahmen wie Stock und Unterarmstützen sowie Pufferabsätze
zur Anwendung. Grundsätzlich abzuraten ist dagegen von einer Schonung im Sinne
einer Ruhigstellung des betroffenen Gelenkes, da hierdurch die Versorgung des
Gelenkknorpels mit Nährstoffen verschlechtert wird. Erst nachdem sich unter
Ausschöpfung aller nicht operativer Maßnahmen keine befriedigende Besserung für
den Patienten eingestellt hat, sollte die Entscheidung für eine Operation
fallen. An
operativen Maßnahmen kommen in Betracht:
1.)
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Die Gelenkspiegelung
(Arthroskopie) mit begleitender Knorpelglättung, Entfernung von
zerstörten Menisken, Mikrofrakturierung oder Abrasionschondroplastik |
| 2.) |
Die Umstellungsoperation,
Korrektur eines O- oder X-Beines |
| 3.) |
Die Implantation einer Gelenkprothese |
Die vier Stadien der Knorpelschädigung und ihre Therapie
Knorpelschäden I. und II. Grades
Diese werden in der Regel nicht operativ behandelt. Es handelt sich hierbei lediglich
um Erweichungen des Knorpels sowie sehr oberflächliche Schädigungen
der Knorpelschicht ("Styropor-Knorpel). Diese oberflächlichen Knorpelschädigungen
werden konservativ behandelt.
Knorpelschäden III. Grades
Hier kommt es zu einer Schädigung tiefer reichender Knorpelstrukturen.
Die Knorpelschäden können bereits mit dem bloßen Auge erkannt
werden. Man spricht hier von einem so genannten "Frottee-Knorpel" oder von Knorpelschäden
vom Kratertyp. Charakteristisch für diesen Knorpelschaden ist, dass
er tief in den Knorpel hineinreicht, jedoch immer noch eine sehr dünne
Knorpelschicht über dem Knochen verbleibt. Die Behandlung besteht
darin, bei einer Arthroskopie die abgelösten Knorpelanteile zu entfernen.
Dies geschieht überwiegend mit motorgetriebenen Instrumenten, mit denen
die instabile Knorpeldecke stabilisiert wird. Das operierte Kniegelenk kann in
der Regel beschwerdefrei belastet werden. Die Belastbarkeit ist allerdings deutlich
herabgesetzt.
Knorpelschäden IV. Grades
Dies sind schwere Gelenkschädigungen, bei denen es zu einer völligen
Zerstörung der Knorpelschicht mit freiliegendem Knochen kommt. Große
Teile der Knochenoberfläche lassen sich ablösen. In unterschiedlich
großen Bezirken liegt bereits der Knochen frei. Derartige
Defekte der Gelenkfläche, die so genannten "Schlaglöcher", lassen
sich wieder schließen. Die Auffüllung erfolgt
mit einem Ersatzgewebe aus Faserknorpel, welches dann - ähnlich einer
Zahnfüllung - dort verbleibt. Die Techniken zum Erlangen derartigen
Ersatzgewebes sind das Shaving, die Mikrofrakturierung (Aufbrechen des
harten Knochens) sowie die Abrasion (Anfräsen der harten Knochenschicht).
Mit dieser Technik, der so genannten "Bioprothese", kann der Zeitpunkt einer
eventuellen Versorgung mit einer Kniegelenkendoprothese um Jahre hinausgeschoben
werden.
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| Abb.: An diesem Gelenk eines 70-jährigen Patienten unserer
Abteilung ist eine schwere Gonarthrose erkennbar. Hier kann nur noch
eine Kniegelenkendoprothese helfen. |
Abrasionschondroplastik ("Bioprothese")
Trotz der enormen Entwicklung auf dem Gebiet der
Kniegelenkendoprothetik kann eine Knieprothese niemals in punkto Belastbarkeit
und Haltbarkeit an das "Original" heranreichen. Bei älteren Patienten, die keine
so hohen Belastungsansprüche an das Knie mehr stellen und bei denen die
Haltbarkeit in Hinblick auf die Lebenserwartung eine zunehmend untergeordnete
Rolle spielt, ist die Implantation einer Knieprothese die am häufigsten
angewendete Variante zur sofortigen Wiederherstellung einer guten
Lebensqualität. Bei jüngeren Patienten dagegen sollte man von einer zu frühen
Implantation eines künstlichen Kniegelenks absehen und alles unternehmen, um das
erkrankte Gelenk zu "reparieren" bzw. - besser ausgedrückt - zu
"rekonstruieren". Insbesondere dann, wenn der Knorpelschaden auf einen kleineren
Bereich begrenzt ist, bietet sich die so genannte Abrasionschondroplastik an.
Diese wird arthroskopisch durchgeführt. Dabei werden im Bereich des
Knorpeldefekts mit einem rotierenden Messer (dem "Shaver") Knorpelreste und die
oberste Knochenschicht entfernt, so dass eine Blutung aus dem Markraum eintritt.
Bedingt durch diese Blutung und sehr komplexe Heilungsprozesse kommt es im Verlauf von
einigen Wochen zur Bildung neuen Knorpelersatzgewebes ("Faserknorpel"), das den
Defekt nach der Ausheilung vollständig überdeckt. Nicht selten ist das Ergebnis,
das man auch Bioprothese nennt, so gut, dass sogar wieder Sport in Maßen
getrieben werden kann. Sofern als Ursache des Knorpelschadens eine Fehlstellung
des Kniegelenkes diagnostiziert wurde, sollte diese Ursache natürlich ebenfalls
beseitigt werden (z.B. durch Umstellungsosteotomie), da ansonsten der Erfolg
einer Bioprothese mitunter schnell wieder zunichte gemacht wird.
| Abb.: Abrasionschondroplastik bei einer 62-jährigen Patientin mit einem IV.-gradigen
Knorpelschaden in unserer Abteilung |
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| Zustand nach Abrasionschondroplastik: Knorpel und oberste Knochenschicht wurden abgetragen. |
Befund der Kontrollarthroskopie 3 Monate nach der OP. |
Die Mikrofrakturierung - eine "sanfte" Alternative zur Knieprothese
Einen besonders hohen Stellenwert bei den
arthroskopischen Operationen nimmt in unserer Abteilung in den letzten Jahren
die Mikrofrakturierung ein. Wie bei der Abrasionschondroplastik handelt es sich hier um eine gelenkerhaltende
Behandlung bei begrenzten IV.-gradigen Knorpelschäden. Bei vielen Patienten kann die Kniegelenkendoprothese durch
die Methode der Mikrofrakturierung vermieden bzw. um Jahre hinausgeschoben
werden. Die Mikrofrakturierung wurde in den 80iger
Jahren von dem amerikanischen Chirurgen Dr. Richard Steadman eingeführt. Hierbei werden
mit unterschiedlich gewinkelten "Ahlen" (z.B. Chondropick der Firma Arthrex)
kleine Perforationen in den freiliegenden Knochen gesetzt. Diese Perforationen werden etwa
im Abstand von 4 mm angelegt, die Tiefe der Perforationen beträgt 3 mm. Der
gesamte Defekt wird durch Austreten von einem Blutkoagel (Superclot) bedeckt.
Stammzellen, die sich in diesem Blutkoagel befinden, entwickeln sich zu einem
Faserknorpel, der die Gelenkfläche bedeckt. Die mesenchymalen Stammzellen bilden
einen stabilen und belastbaren Ersatzknorpel. Nach Untersuchungen von Steadman kommt es in
75% aller Fälle zu einer Schmerzverringerung, in 19% der Fälle bleiben die
Schmerzen bestehen, bei nur 6% kommt es zu einer Verschlimmerung. Unsere Ergebnisse decken sich
in der Tat mit den Studien von Steadman. Wir haben bei Kontrollarthroskopien eine vollständige Bedeckung
des Knorpeldefektes mit einem Ersatzknorpel gesehen. Bis auf wenige Ausnahmen
verzichten wir aber auf Kontrollarthroskopien, da die Patienten mit dem Ergebnis der
Schmerzreduzierung und Verbesserung der Beweglichkeit in der Regel zufrieden sind.
Die Nachbehandlung nach einer gelenkerhaltenden
Arthrosebehandlung durch Mikrofrakturierung setzt unbedingt eine 8-wöchige
Entlastung an Unterarmgehstützen voraus. Abrollbewegungen des Fußes mit nicht
mehr als 10 kg Belastung sind gestattet. Empfehlenswert sind darüber hinaus
mehrmals tägliche Bewegungsübungen auf einer motorgetriebenen Schiene (CPM). Falls
eine Motorschiene nicht zur Verfügung steht, empfehlen wir das
Fahren auf einem Standfahrrad sowie das Aquajogging.
| Abb.: Ablauf einer Mikrofrakturierung bei einem Patienten mit einem IV.-gradigen
Knorpelschaden in unserer Abteilung |
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| Entfernung von geschädigtem Knorpelgewebe |
Freigelegter Knochen nach Entfernung |
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| Die eigentliche Mikrofrakturierung mit "Chondropick Ahlen" |
Kontrollbefund 12 Wochen postoperativ: neu gebildeter Ersatzknorpel |